Lesekreise als Erfolgsmodell: Wie die Buchhandlung Sedlmair ihre Community begeistert

Lesekreise als Kundenmagnet

„Lesekreise sind ein fantastisches Kundenbindungsinstrument“ – dieser Satz fällt im Gespräch mit der Buchhandlung Sedlmair nicht zufällig. Die Buchhandlung im niedersächsischen Georgsmarienhütte bei Osnabrück zeigt, wie Lesekreise nicht nur das kulturelle Profil schärfen, sondern auch langfristige Kundenbeziehungen aufbauen. Mit acht Mitarbeitenden auf rund 260 Quadratmetern hat Sedlmair eine Struktur geschaffen, die in dieser Konsequenz selbst für größere Häuser bemerkenswert wäre.

Vielfalt als Strategie

Statt eines einzelnen Formats setzt Sedlmair auf eine breite Palette von sechs (!) Lesekreisen für unterschiedliche Zielgruppen:

  • Sachbuch
  • Literatur
  • Krimi
  • Romance & Romantasy
  • Pageturner für 13–16-Jährige
  • „Club der Bücherdrachen“ für 10–12-Jährige

Das Prinzip dahinter: Jede Zielgruppe wird dort abgeholt, wo ihre Interessen liegen. So entsteht Bindung – oft über Jahre hinweg.

Offene Türen, feste Kerne

Alle Lesekreise sind offen konzipiert, neue Teilnehmende können jederzeit dazukommen und „reinschnuppern“. Gleichzeitig bilden sich stabile Kerngruppen. Diese Mischung aus niedriger Einstiegshürde und gewachsener Verlässlichkeit ist ein zentraler Erfolgsfaktor.
Nach einer anfänglichen Begleitung durch das Buchhandlungsteam organisieren sich die meisten Gruppen eigenständig – von der Buchauswahl bis zur Kommunikation, oft über WhatsApp.

Raum und Struktur

Die Treffen finden nach Ladenschluss statt, meist um 18:30 Uhr. Dann wird eine kleine „Plaza“ in der Buchhandlung mit flexiblen Rolltischen und Stühlen zum Diskussionsraum. Die ruhige Atmosphäre, die klare zeitliche Struktur und das Gefühl, „unter sich“ zu sein, schaffen ideale Bedingungen für den Austausch.

Digital verlängert: Lesekreise auf der Website

Auf der Website bündelt ein eigener Bereich alle Lesekreise und deren Termine. Besonders wirkungsvoll: Zu jeder Gruppe ist auch die jeweils nächste Lektüre angegeben – inklusive direktem Link in den Webshop. So wird aus Information sofort Kaufimpuls. Eine einfache, aber äußerst wirkungsvolle Verzahnung von Community-Angebot und Verkauf.

Der Krimi-Lesekreis: Ein Erfolgsmodell seit 2015

Der erste Lesekreis der Buchhandlung ist zugleich einer der erfolgreichsten: der Krimi-Lesekreis, gegründet 2015 aus einer Mitarbeiterinnen-Idee heraus. Heute gibt es einen festen Kern von rund zehn Teilnehmenden, von denen viele schon seit Jahren dabei sind, trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat. Gelesen wird genreübergreifend – von klassischen Krimis bis Psycho-Thrillern, jedoch nicht zu brutal. Meist greift die Runde zu budgetfreundlichen Taschenbüchern.

Lesekreise als Teil eines größeren Kosmos

Die Lesekreise sind bei Sedlmair Teil eines größeren Veranstaltungskonzepts.

Besonders im Krimi-Bereich zeigt sich das eindrucksvoll:

  • Regelmäßige Krimi-Lesungen mit bis zu 80 Gästen
  • Ein jährlicher Krimi-Abend im November (inklusive beleuchtetem Friedhofsbesuch!)
  • Ein Krimi-Frühstück als besonderes Eventformat

Hier entsteht eine Erlebniswelt rund ums Lesen – und genau das macht den Unterschied.



Interview mit Sandro Gelhaar, Buchhandlung Sedlmair Georgsmarienhütte

Was war die ursprüngliche Idee hinter dem ersten Lesekreis?

Der Krimi-Lesekreis entstand 2015 aus einer Kolleginnen-Idee heraus. Wir hatten schon damals ein stark krimiaffines Publikum und wollten dafür ein regelmäßiges Austauschformat schaffen.

Wie stark begleiten Sie die Gruppen heute noch?

Am Anfang sind wir als Buchhandlung stärker eingebunden und moderieren auch mal. Aber unser Ziel ist immer, dass sich die Gruppen verselbstständigen – und das funktioniert sehr gut. Die meisten Erwachsenenlesekreise organisieren sich komplett selbst.

Wie wichtig ist die Offenheit der Gruppen?

Sehr wichtig. Wir wollen keine geschlossenen Zirkel. Jeder soll die Möglichkeit haben, einfach mal vorbeizukommen. Das senkt die Hemmschwelle enorm.

Welche Rolle spielen Lesekreise für die Buchhandlung insgesamt?

Eine sehr große. Lesekreise schaffen Bindung, Austausch und Vertrauen. Viele Teilnehmende sind uns seit Jahren verbunden – das ist durch klassische Verkaufsformate kaum zu erreichen. Und natürlich hat das auch einen positiven Effekt auf unseren Umsatz.

Warum funktionieren gerade Krimi-Formate so gut?

Krimis haben einfach eine große Fangemeinde und sie eignen sich hervorragend zum Diskutieren. Gleichzeitig gibt es kaum private Krimi-Lesekreise und so können wir ein einzigartiges Angebot anbieten. Außerdem lassen sich rund um das Genre tolle Veranstaltungen entwickeln – unsere Krimi-Abende sind zum Beispiel echte Highlights.



Was andere Buchhandlungen daraus lernen können

Die Buchhandlung Sedlmair zeigt eindrucksvoll, worauf es ankommt:

  • Zielgruppen ernst nehmen und differenziert ansprechen
  • Offene Formate schaffen, die Einstieg ermöglichen
  • Verantwortung an die Gruppen abgeben
  • Lesekreise in ein größeres Veranstaltungskonzept einbetten
  • Verlässlichkeit durch feste Termine gewährleisten

Kurz gesagt: Lesekreise sind kein Zusatzangebot, sondern ein strategisches Instrument – wenn man sie richtig denkt.

Weitere Informationen:
www.sedlmair.buchhandlung.de
www.sedlmair.buchhandlung.de/shop/magazine/155884/unsere_lesekreise.html